Nine Eleven (2006-2007)
Meine bildnerische Auseinandersetzung mit dem 11. September 2001 erfordert eine Analyse der Fragilität und der Dekonstruktion gesellschaftlicher Stabilität. Wie ist es im 21. Jahrhundert möglich, dass zwei Terroristen durch ihr verhältnismäßig 'leicht gemachtes Eingreifen' in den öffentlichen Flugverkehr die beiden WTC-Zwillingstürme, monumentale Symbole der Moderne oder sogar einer ganzen Weltordnung, zum Einsturtz bringen können.
Meine Kartenhäuser fungieren hier, ähnlich wie Caspar David Friedrichs Ruinen, als klassische Vanitas-Symbole für die Hinfälligkeit menschlicher Konstrukte. Im Kontext von 9/11 transformiert sich dieses Motiv von einer spielerischen Metapher hin zu einer Darstellung systemischer Verwundbarkeit. Es repräsentiert die Architektur der Twin Towers nicht nur als physische Objekte, sondern als Symbole des globalen Finanzsystems, deren Einsturz durch ein solches äußeres Eingreifen – analog zum Ziehen einer Karte – ausgelöst wurde.
Meine Papierflugzeuge dienen als ikonografische Gegenspieler. Während das Papierflugzeug im allgemeinen kulturellen Gedächtnis mit Begriffen wie Kindheit, Leichtigkeit und spielerischer Unschuld assoziiert wird, fungiert es in diesem Kontext als destruktives Symbol. Das Papierflugzeug wird zum Katalysator, der die vermeintliche Solidität des "Kartenhauses" entlarvt. Die Interpretation muss hierbei den Fokus auch auf die Prozesshaftigkeit legen: Der Moment kurz vor dem Einsturz fängt den unmittelbar bevorstehenden Zusammenbruch von Ordnung sowie das kollektive Trauma des Kontrollverlusts ein.
Das Pflanzen von Bäumen steht für den Widerstand gegen diese Art der Vergänglichkeit: Der Akt steht dem lutherischen Zitat nahe: „Wenn morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“ Er symbolisiert die Zuversicht in den Fortbestand der Welt sowie eine ethische Pflicht zur Hoffnung, selbst in Krisenzeiten.
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